Der Zürcher Oberländer / Anzeiger von Uster - März. '07
Rundum gelungenes Heimspiel
Die Oberländer Mundartrockband Booze taufte am letzten Freitag ihre neue CD namens «Zwölf 91». Es war ein langer, abwechslungsreicher Abend.
Die Stimmung im Vorfeld des Auftritts war schon mächtig angeheizt. Aus den Katakomben der Band vernahm man Kampfschreie und Sprechchöre. Etwa so, wie sie normalerweise bei kämpferischen Sportteams vor wichtigen Spielen üblich sind. Für einmal war das Scala in Wetzikon bis zum Bersten gefüllt. Grund für den grossen Zuschaueraufmarsch war der Auftritt der Oberländer Mundartrockband Booze, die aus der benachbarten Gemeinde Bäretswil stammt. Dies bedeutete Heimspiel. Heimspiel und Plattentaufe ihrer dritten CD, «Zwölf 91».
Boogie-Rock mit Mundarttext
Booze veröffentlichten ihre erste Single «Bünzli» im Jahr 1999. Fortan widmeten sie sich musikalisch einer Mixtur aus geradlinigen Gitarrenriffs, verspielten Pianoelementen, heiseren Saxofonklängen und einer noch heisereren Stimme - Boogie-Rock wie er im Buche steht. Nur die Zürcher Mundart befremdet dabei ein wenig. Doch was befremdlich wirkt, kann schnell auch zum Markenzeichen werden. Booze sprechen in ihren Texten so, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist,x und sinnieren dabei nicht bloss über Schoggi, Berge und schöne Seen, sondern schneiden auch sozial kritische und unbequemere Themen an.
Antirassistische Lokalpatrioten
Im Song «Bart» sang der Sänger alias «Mäusli» die Zeilen: «Isch de Chäfer im Holz, muesch rode, du chasch nüüt defür, du häsch en Bart bis an Bode...» Der Käfer symbolisiert den Ausländer in der Schweiz, und man brauchte als Zuhörer schon ein wenig Sinn für Ironie, um zu merken, dass es sich hierbei nicht um einen Rassismus-, sondern eben um einen Anti-Rassismus-Song handelte. Und dennoch, die Mitglieder von Booze sehen aus wie saubere Schweizer Durchschnittsbürger, benennen ihre CD nach dem Gründungsjahr der Schweizerischen Eidgenossenschaft, und mit dem Song «Fahnemeer» haben sie bereits einen Song zur kommenden Fussball-EM im eigenen Land im Köcher. Doch so wirkliche Patrioten sind sie trotzdem nicht. Höchstens Lokalpatrioten, wie das Lied «Bäretswil» - ein Lobgesang auf ihre Heimatgemeinde - zur Freude des Publikums beweist.
Langhaariger Gottesengel tauft CD
Letzten Endes war der Abend eine aussergewöhnliche CD-Taufe. Eine Band in Aufbruchstimmung und ein gut gesinntes Publikum, welches die Band zu Höchstleistungen anstachelte. Das Konzert wurde, je länger es dauerte, immer besser. Der intensive Gefühlsausbruch «Wut» ging in seiner Intensität dem stark involvierten Publikum mächtig unter die Haut. Die Zeilen «Ich bin mis einzige Alles und ich bin en geile Siech und ich dank mer, dass i daa bi, ich wüsst nöd, was i ohni mich miech.» aus dem ironisch-selbstverliebten «I lieb mi» wurden mit Humor aufgefasst. Als dann plötzlich ein langhaariger Gottesengel auf die Bühne trat und mit tiefer Stimme weise Worte verkündete, war allen Leuten im Saal klar: Die Platte «Zwölf 91» wurde nun, nach über zwei Stunden Konzert, offiziell und tatsächlich getauft. Die letzten Songs trug die Band in einer Euphorie vor, die den ganzen Saal erfüllte. Musikalisch abwechslungsreich spielten Booze ihren Boogie-Rock, flochten Einflüsse aus Ska und Polka mit ein und sorgten damit für ein gelungenes Heimspiel vor heimischem Publikum im lokalen Klub.
(ZO/Martin Sturzenegger)