| ZO Extra - Wochenendbeilage - März. '07

«Zwölf 91» heisst Eure neue CD. Weshalb dieses Statement für die Schweiz? Ja, weshalb «Zwölf 91»? Einerseits passt der Titel zum Song «Winkelried», andererseits wollten wir einen Titel, der sich gut schreiben lässt und der auch optisch schön wirkt. Zudem hat dieses Schweizerische einen roten Faden auf der Scheibe. Wir sind im Gegensatz zu anderen Mundartbands nationalkritisch und auch etwas zynisch.
Woher kommt der Zynismus? Der liegt in meiner Natur. Schon unser erster «Hit», «Bünzli», lebte von seinem zynischen Unterton. Schon immer hatte ich den Hang zum Zynismus, weil dies die Leute herausfordert. Stellt sich aber die Frage, wie der Zynismus bei Eurem Publikum ankommt? Nun, das Feedback ist soweit gut. Aber ich frage mich, ob die Leute es überhaupt begreifen? Im Song «Bart» singen wir beispielsweise mit ironischem Unterton, man solle alle Ausländer per A-Post zurücksenden. Wegen dieser Zeile gab es schon Rückmeldungen. Aber dann oft in Form von Schulterklopfen aus teils gar rechtsradikalen Kreisen. Nur meinen wir es natürlich genau umgekehrt.
Das ist ja skandalös: Booze singen Lieder für Rechtsradikale? Um Himmels Willen nein, wir können Leuten nicht helfen, die unsere Songs falsch verstehen, wir appellieren an die Mündigkeit! Das Risiko des Missverständnisses gehen wir ein. Darauf könnten sich die Medien stürzen. Oh, es hat sich schon oft gezeigt, dass die Medien provokante Texte absichtlich falsch verstehen. Darüber würde ich mir den Kopf wohl nicht zerbrechen. Ihr seid wohl auch zu wenig bekannt, um für einen Skandal zu sorgen? Das ist leider so. Wobei das Outsider-Dasein in diesem Fall wohl eher ein Bonus wäre. Ab einer gewissen Bekanntheit darf man wohl sowas gar nicht mehr veröffentlichen. Da würden wohl die Plattenfirmen auf die Bremse stehen.
Ein anderes Thema: Ihr habt den Gitarristen gewechselt. Zäs wurde durch Goran ersetzt. Mit dem Gitarristen ändert sich meist auch der Sound einer Band. Ihr seid wieder voll rockig auf der neuen Scheibe. Hat das einen Zusammenhang? Auf der CD war noch Zäs dabei. Der Grund für diese rockigen Klänge ist, dass wir das Gefühl hatten, uns zuletzt zu sehr verzettelt zu haben. Wir probierten zu viele verschiedene Stile aus. Die Plattenfirmen fragten uns damals, was wir denn eigentlich wollten?
Habt Ihr das Konzept also für einen Plattenvertrag geändert? Das ist sicherlich einer der Gründe, was aber noch lange nicht heisst, dass wir uns prostituieren würden. Wir praktizieren gerade auf der Bühne nach wie vor einen Mix aus Party und Melancholie. Immer volles Brett geben, ist langweilig.
Jetzt aber zurück zum Gitarristenwechsel. Was hat sich für Euch verändert? Es ist schon ein riesiger Unterschied, das ist klar. Die Leute sind begeistert von Goran, weil er eine Bühnensau ist. Er hilft mir (Sänger Mouse), mich auf der Bühne aufs wesentlichste zu beschränken. Natürlich hat er auch sonst neue Impulse gesetzt. Das Material der neuen Scheibe kommt live anders daher. Man muss aber ganz klar sagen, dass Zäs wirklich starke Sachen eingespielt hat auf der CD. Er hat sich wirklich selbst übertroffen.
Ihr habt mit «Zwölf 91» nun schon die fünfte Scheibe herausgegeben. Hat sich für Euch schon so etwas wie Studioroutine eingestellt? Nein, nicht wirklich. Die Studiozeit war für alle Weihnachten und Ostern zur selben Zeit. Es macht Spass, wenn alle dieselben musikalischen Ansichten teilen. Aber leider fehlt einem immer die Zeit.
Wegen des Geldes? Richtig. Alle unsere Einnahmen gehen für die Musik gleich wieder weg. Veränderungen sind deshalb schwierig, man kommt als unbekannte Band nur schwierig zu Gigs und ohne Gigs wird man nicht bekannt. Es ist ein Teufelskreis, aus dem wir bisher nicht herausgekommen sind.
Booze ist und bleibt also ein Hobby? Ja, ein riesiges Hobby. Aber das heisst noch lange nicht, dass es für uns ein Müssen ist. Im Gegenteil, alle haben grossen Spass daran. Es ist eine Leidenschaft, vielleicht sogar schon eine Obsession?
Wie kann sich eine Band, die den Durchbruch bislang noch nicht geschafft hat, über so viele Jahre zusammenhalten? Mit guter Kollegschaft. Wir sind auch privat oft gemeinsam unterwegs. Wir teilen nicht nur unser Hobby, sondern auch andere Interessen. Die Freundschaft hält uns seit Jahren zusammen. Ich brauche nichts anderes, will gar nichts anderes mehr. Und das geht allen so. Es ist gut, so wie es ist.
Letztes Jahr habt Ihr beim WM-Contest mitgemacht. Nun habt Ihr den Song kurzerhand zur EM-Nummer umfunktioniert. Klingt irgendwie zu einfach? Nein, es ist genial. Wir sind die erste Schweizer Band, die einen EM-Song hat. Und das ohne Aufwand. Der WM-Contest war eh ein Witz, da Gimma, der gewann, doch nie gehört wurde. Das Fernsehen produzierte mit «Chum bring en hei» seinen eigenen Hit und dagegen hatte kein anderer eine Chance.
Ihr bietet das Ding zum Download an. Was bringt?s? Erstaunlich viel! Bis im November wurde er bereits 3500 Mal heruntergeladen. Das ist noch verrückt, finde ich.
Ist der Song auch der Grund, weshalb Ihr zur Sportlerehrung in Fischenthal gehen dürft? Nein, das liegt daran, dass wir die einzige vernünftige Band im Oberland sind. (Gelächter). Oder vielleicht haben die Fischenthaler herausgefunden, dass unser Gitarrist in Fischenthal wohnt. Nein, tatsächlich ist das per Vitamin B zustande gekommen. Wir hoffen, dass die Leute dann gut drauf sein werden?
Aber garantiert! In Fischenthal sind Radios und Fernsehen anwesend. Das ist Die Chance! Oh, das wussten wir gar nicht. Eins ist sicher: Fischenthal ist ja etwas SVP-lastig. Da ist eine intelligente Setliste gefordert. (lacht).
Ja, sonst kommt’s wieder zu Missverständnissen? Was steht danach an? Wir wollen aus dem Oberland kommen. Nicht weil’s uns hier nicht gefällt, aber irgendwann ist man nicht mehr so interessant hier. Nur ist es, wie gesagt, nicht ganz einfach ausserhalb der Region, wo man uns nicht kennt, zu Gigs zu kommen. Aber um ehrlich zu sein, wäre es nett, nur schon im Oberland mal ständig volle Säle zu haben?
(Interview: ZO/David Kilchör)
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