| ZO Extra - Wochenendbeilage - März. '04

Booze sind zurück. Die bekannte Oberländer Band tauft ihre neue Platte in der Rampe Bubikon
Booze hat sich weiterentwickelt und zwar nicht nur ein wenig. Ihre neue CD "Langsam aber sicher" ist tiefgründiger und viel professioneller aufgenommen als die zwei Vorgänger. Mit dieser Platte werden sie nun in der nächsten Zeit auf Tournee gehen. Zunächst wird sie aber in der Kulturrampe in Bubikon getauft.
Schon kurze Zeit nach der "ganz andersch"-Tour vor ca. zwei Jahren, begannen die fünf Männer aus dem Zürcher Oberland mit den Arbeiten an ihrem neuen Album. Glückliche Beziehungen führten dazu, dass sie nach den Aufnahmen der Pre-Takes in Zürich ab nach Stuttgart fahren konnten und dort in zwei Intensivwochen die Scheibe aufnehmen konnten. Thomas Jöhr, der Gitarrist, erinnert sich: "Das waren 36-Stunden-Tage. Absolut intensiv, aber gut." Sänger Thomas Mäusli schliesst sich ihm an: "Es war gar nicht schlecht mal aus dem gewohnten Umfeld rauszukommen und woanders aufzunehmen. Das förderte die Kreativität", lacht er. Und Saxer José Wälty ergänzt noch: "Man lernt sich da von einer anderen Seite kennen. Und wir sind uns wirklich nur sehr beschränkt auf den Geist gegangen. Wir hatten eine gute Zeit zusammen."
Dann bestätigen sie alle, dass der Produzent halt schon ein Glücksgriff war. Für Mäusli ganz klar: "Er war wie ein sechstes Bandmitglied, keine Frage. Der schnallte genau was wir wollten und setzte es genial um." Und was wollten die Herren? Es ist eine Weglösung vom Blues-Rock, hin zum krachigen Rock mit gewissen Pop-Einschlägen. Und genau das hört man auf der neuen CD: Etwas kommerzieller und salonfähiger als früher. "Aber das war nicht das Ziel. Das ist nun bloss das Resultat, worüber wir auch nicht unglücklich sind", erklärt der Gitarrist. Die jungen Männer sind sich einig, dass diese Entfernung vom Blues-Rock eine logische Konsequenz der musikalischen Entwicklung der Musiker war. "Im Herzen sind wir alles Rocker", sagt Mäusli.
Seit zehn Jahren ist die Band "Booze" nun schon zusammen. Da ist es logisch, dass sich nach und nach ein eigener Stil entwickelt. So geschehen auf "langsam aber sicher". Die Band sagt einstimmig: "Das ist das erste Mal, dass wir sagen können: Diese Scheibe ist genau das, was wir wollten." Diese Zufriedenheit kommt einerseits von der Professionalität her, andererseits aber auch davon, dass die Männer einfach reifer geworden sind und sich damit auch im Bereich Songwriting gefestigt haben.
So hat sich nebst der Musik auch die lyrische Seite entwickelt. Thomas Mäusli schreibt die meisten Texte. Und diese sind auf "langsam aber sicher" deutlich gehaltvoller als früher. Sehr oft sind sie sehr philosophisch, wie in "angscht" oder der Radio-Single "heldä". Thomas Mäusli nimmt dazu klar Stellung: "Die Texte sind uns speziell wichtig. Es gibt genug Texte in der Schweizer Szene, die keinen interessieren." Trotz des Tiefgangs hat Mäusli die Lyrics versucht mit Ironie zu spicken. So kommen Anspielungen auf Blocher oder Britney Spears durchaus auch mal zu Zug. Wer "Booze" kennt, weiss dass Britney damit langsam zu einer Art Running-Joke verkommt…
Dass sie ihre Texte in mundart singen hat nichts mit der momentanen Situation zu tun, dass mundart-Texte recht angesagt sind und oft nur noch Plattenverträge mit Mundart-Künstlern abgeschlossen werden. Saxer José Wälty witzelt: "Weißt du, dieser Trend kommt ja von uns…". Der Manager der Band, George Fräfel meint etwas ernsthafter: "Du siehst auch auf früheren CDs, dass die Jungs in Mundart gesungen haben. Der Grund dafür ist ihr Wunsch, verstanden zu werden. Mundart-Texte sind in unserem Land einfach markanter als englische. Die Band will ja auch zum Nachdenken anregen."
Die Songs entstehen meist sehr autnom. Einer schreibt das Lied und bringt es in die Band. Dort wird dann darüber befunden. Selten kann es auch sein, dass ein Text da ist und die Musik dann von einem anderen Band-Mitglied geschrieben wird. Auf alle Fälle ist ein Lied immer etwas persönliches. "Man macht sich schon recht verletzlich, wenn man so einen Song präsentiert", sagt Jöhr. Wälty fügt aber an: "Wir haben erstaunlich selten und wenig Probleme aus solchen Gründen."
Nun ist die Single zu den Radios gesendet worden und Manager George Fräfel ist in Gesprächen mit einer Plattefirma. Er kündigt an: "Einen Deal haben wir nun aufgegleist, aber die Details sind noch im Gespräch. Wir dürfen deshalb auch noch nicht sagen, welche Plattenfirma es ist." Entsprechend des Deals müssen die Jungs dann auch noch die Auftrittsdaten mit den Promo-Aktivitäten der Plattenfirma besprechen. Daher können sie auch über weitere Auftritte noch nichts sagen. Fest steht, dass sie am Freitag in der Kulturrampe Bubikon ihre neue CD taufen werden und dass von den gespielten Songs dort Dreiviertel "noch keiner kennt", wie Mäusli sagt. "Lasst euch überraschen!", schliesst er.
(David Kilchör)
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